© by Henry-Sebastian Damaschke

 

 

 


 


00500607

    

 
 

Geschichten vom Regenbogen-Elch

 

© by Henry-Sebastian Damaschke

 

Das schwarze Schaf ... 
der Regenbogen-Elch kehrt zurück

 

An diesem so trüben Novembertag saß das Schaf, das schwarze gemütlich auf dem Sofa, es las alle die Geschichten, die es mit dem Regenbogen-Elch in den vielen Jahren ihrer Freundschaft erlebt hatte und die der Henry, ihr Schöpfer, aufgeschrieben hatte. Hin und wieder schaute das Schaf, das schwarze aus dem Fenster, es vermisste den liebgewonnenen Freund, der einfach ohne große Worte sich aus Traurigkeit in bunten Rauch aufgelöst hatte. Wo er wohl sein mochte? Das Schaf, das schwarze seufzte tief. Advent und Weihnachten standen vor der Tür, und das ohne den Regenbogen-Elch, den "Weihnachtsgeschenkeverpetzer", das erschien dem Schaf unmöglich. Das Schaf, das schwarze wusste, warum er weggegangen war. Diese Kröte war ihm ins Herz gefahren und ja, er hatte was falsch gemacht, aber nicht weil er sie verletzen wollte, sondern weil er nicht glauben konnte, sein Vertrauen in sich selbst verloren zu haben, in den vielen Jahren davor, was nur an dieser Schottin lag, die ihm jahrelang was vorgemacht hatte. Dunkle Gewitterwolken rankten sich um die Schafsstirn, als es daran dachte.

 

Das Schaf, das schwarze starrte in die Nacht, es musste doch eine Möglichkeit geben, ihn zurückzuholen. "Sich in bunten Rauch aufzulösen, war auch keine Lösung", grummelte das Schaf, das schwarze. "Ich habe eine Idee", flüsterte das Schaf, das schwarze leise vor sich hin. "Es gibt eine Möglichkeit, an die habe ich gar nicht gedacht bei dem ganzen Zirkus. Ich sende ihm meinen schönsten Regenbogen, aus der Tiefe meines Herzens, dann muss er einfach zurückkommen." Gesagt, getan! Aber er kam nicht. Das Schaf rief in seiner Verzweiflung MacDudel, das klügste Schottenschaf von allen an.  

"Well", sagte MacDudel, "es gibt nur eine Möglichkeit, du musst unseren Schöpfer fragen und mit ihm sprechen."  

"Mit Henry?"  

"Ja, nur er kann es bewirken, er muss den Regenbogen schicken aus seinem Herzen und du aus deinem und ich aus meinem, nur wir alle zusammen können es schaffen."

"Hm…, aber Henry hat viel zu tun, er schreibt und zeichnet viel, er ist immer so gestresst in der letzten Zeit."  

"Dann bringe ihn dazu, die Dinge wieder mit dem Herzen zu sehen und nicht nur über den Verstand."  

"Ich weiß nicht, ob ich das kann."  

"Probiere es aus, dann weißt du es, und nun beeile dich."  

"Gut, ich werde es versuchen, es ist heute der erste Advent."

 

Das Schaf, das schwarze ging leise zu Henrys Arbeitszimmer und klopfte zaghaft an die Tür und öffnete sie. Es sah Henry am Schreibtisch sitzen, den Kopf in die Hände gestützt, er betrachtete den Monitor, so wie immer, wenn er zeichnete.

Er drehte sich langsam um und sagte:  

"Oh Schafi, du hier, schön, dass du zurück bist.“ Das Schaf, das schwarze näherte sich dem Schreibtisch und setzte sich auf einen Stuhl, es sah ganz bedröppelt aus. „Was ist denn los, du schaust so traurig?"  

"Hm…, er, er fehlt mir so." Henry lächelte.  

"Mir fehlt er auch ganz arg."  

"Ohne ihn ist nicht Weihnachten und nicht Advent und gar nichts."

"Stimmt, Schafi, ohne ihn ist alles nichts."

"Dann hole ihn zurück, nur du kannst es, MacDudel und ich wissen das."  

"Das ist nicht so einfach, Schafi, das weißt du auch."  

"Wieso nicht?"   

"Du weißt es."  

"Nee, weiß ich nicht."  

"Erinnere dich an das Buch mit den vier Siegeln."   

"Hm…", grummelte das Schaf, "ich erinnere mich, aber dann können wir doch was machen. Du musst den entscheidenden Satz sagen. Meinst du, dass du das kannst?"

Henry lächelte, er hatte viel in den letzten Monaten über sich und über die Menschen gelernt und er hatte begonnen, in seinem Herzen aufzuräumen, er hatte gelernt, Dinge und Menschen loszulassen, die ihm nicht guttaten, er hatte neue Dinge ausprobiert, seine  Kreativität war zurück und er wurde jeden Tag ein wenig stärker und er hatte verstanden, dass nur er sich ändern konnte, nicht die Welt, nicht die Menschen und nicht den Neid und die Missgunst und auch nicht die Verletzungen, die andere ihm zugefügt hatten. Nur er konnte sie heilen. Er dachte daran, wie damals der Regenbogen-Elch zu ihm gefunden hatte, und er lächelte. In seinem Herzen breitete sich der wundervollste Regenbogen aus, den man je gesehen hatte, er konnte es fühlen, die Wärme und die Liebe, die davon ausging, und er sagte sehr leise, aber sehr bestimmt:  

"Regenbogen, bringe uns den Elch zurück!"

 

Es war ganz still im Raum, man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Das Schaf, das schwarze sah Henry an und Henry sah das Schaf, das schwarze an. In dem Moment füllte sich der Raum mit buntem und glitzerndem Rauch.

Beide schauten zum Fenster und da saß er, hustend und schnaubend: der Regenbogen-Elch.

"Mann, das wurde aber auch Zeit, dass ihr euch mal bewegt und mich zurückholt. Ist ja ganz nett auswärts beim Regenbogen, aber fast hätte ich Weihnachten verpasst. Und wieso ist hier noch nicht alles geschmückt? Auf jetzt, ihr Faulpelze!"

Das Schaf, das schwarze begann zu lachen und Henry grinste, denn er wusste, das Leben war zurück und vor allem war er, sein Regenbogen-Elch zurück, sein ganz wichtiger Held.

"Dünn bist´e geworden, Cheffe. Ach, und einen Kater haben wir jetzt auch, die Familie hat sich somit erweitert. Die Furie bist´e aber los, was ich so mitbekommen habe, oder?"  

"Ja", sagte das Schaf, das schwarze, "die und ihren Anhang sind wir los. Dem großen Regenbogen sei Dank."

"Und Kröti?", fragte der Regenbogen-Elch traurig.   

"Das weiß keiner, da gibt es Kommunikationsprobleme der besonderen Art."

"Ach ja? Kein Telefon oder was?", entfuhr es dem Regenbogen-Elch.  

"Nee, die hält uns für komisch, glaube ich, die glaubt lieber, was andere sagen, eben keine eigene Meinung und letztlich Kommunikationsunwilligkeit, vermutlich irgendein Problem."

Henry lächelte zu seinen beiden Abenteurern.  

"Hm…, nee, das liegt wohl an mir."

"An dir?", fragte der Regenbogen-Elch.  

"Ja, an mir!"

"Erkläre es!"

"Da gibt es nichts mehr zu erklären, es ist alles gesagt und mehr kann man nicht tun. Es herrscht eben die Meinung vor, dass Autoren verrückt sind, weil sie mit ihren Protagonisten Dialoge führen, und wenn sich dann noch echte Verrückte einmischen, entsteht Chaos und ja, nun ist es, wie es ist, Kinder."

"Du hast also aufgegeben?", fragte der Regenbogen-Elch.   

"Nein, habe ich nicht, oder hast du jemals erlebt, dass ich aufgegeben habe? Ich habe nur eins gemacht, ich habe losgelassen, das ist ein Unterschied." "Stimmt", erwiderte der Regenbogen-Elch, "du hast wieder den schwersten Weg gewählt, denn loslassen ist immer schwerer als festhalten."

"Eben, aber es ist der bessere, wenn auch schmerzhaftere Weg. Jeder Weg muss erst einmal zu sich selbst führen und dann zu anderen. Außerdem denke ich, dass der Weg von A nach B genauso weit ist wie umgekehrt. Ich habe alles getan, was man tun konnte und mehr wäre gegen meine Würde, niemand macht aus dem König in mir jemals wieder einen Bettler. Mit mir kann man nämlich ganz normal jedes Kommunikationsproblem, jedes Missverständnis und jedes Problem diskutieren."

"Cheffe, ich kenne dich nicht wieder, du hast dich verändert."

"Wäre auch schlimm, wenn nicht", bemerkte das Schaf, das schwarze und grinste. Henry sagte:

"Ich muss jetzt weiterarbeiten und ihr habt euch sicherlich eine Menge zu erzählen und bald ist ja auch Weihnachten."

Der Regenbogen-Elch schaute bewundernd zu Henry und das Schaf, das schwarze grinste. Es knuffte den Regenbogen-Elch in die Seite und meinte:

"Los, komm, wir müssen das Haus schmücken und dich natürlich, denn bald ist Weihnachten."

Der Regenbogen-Elch freute sich, dass er endlich wieder zu Hause war. Er, der Botschafter des Bunten und des Guten ... Er lächelte.

Copyright: H.-S. Damaschke   

 

© by Henry-Sebastian Damaschke

 

 

© by Henry-Sebastian Damaschke

 

 

© by Henry-Sebastian Damaschke

 

 

© by Henry-Sebastian Damaschke